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Digitale Weiterbildung

  • Autorenbild: Eva Heinz-Zentgraf
    Eva Heinz-Zentgraf
  • vor 5 Tagen
  • 5 Min. Lesezeit
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Im letzten Monat flatterte eine Interviewanfrage in mein Postfach.


Thema einer Bachelorarbeit: „Digitalisierung als Transformationsprozess in der beruflichen Weiterbildung“. Ich musste direkt schmunzeln.


Wenn ein Thema so sehr den eigenen Berufsalltag beschreibt, fühlt es sich weniger nach Interview und mehr nach einem sehr vertrauten Gespräch an 🤩

 

Denn Digitalisierung begleitet mich in der Weiterbildung nicht erst seit gestern. Sie zeigt sich nicht nur in Plattformen, Kameras oder Aufzeichnungen, sondern in veränderten Erwartungen, neuen Rollen und ganz praktischen Fragen.


Wie lernen Erwachsene heute wirklich?

Was funktioniert online, was eher nicht?

Und warum ist Technik am Ende oft das kleinste Problem?

 

Im Interview ging es genau darum.


Um Erfahrungen aus der Praxis, um Chancen und Grenzen digitaler Formate und um die ehrliche Erkenntnis, dass Weiterbildung auch digital vor allem eines bleibt: Arbeit mit Menschen. Mit all ihren Fragen, ihrem Alltag und manchmal auch mit ausgeschalteter Kamera.

 

Digitalisierung in der beruflichen Weiterbildung klingt für viele nach Technik, Plattformen und Passwörtern, die man garantiert genau dann vergisst, wenn alle zuschauen. Nach etwas, das man entweder beherrscht oder wahlweise verflucht.


In einem Interview zu genau diesem Thema wurde mir einmal mehr klar, wie kurz diese Sicht greift. Denn Digitalisierung ist kein Knopfdruck. Sie ist ein Prozess. Und manchmal auch ein kleiner Geduldstest.

 

Stellen Sie sich berufliche Weiterbildung wie eine lange Zugfahrt vor. Früher gab es einen festen Startbahnhof, einen klaren Fahrplan und einen Schaffner, der wusste, wo es langgeht.


Heute steigen Menschen an ganz unterschiedlichen Orten zu, manche mit Laptop, andere mit Kaffeebecher, wieder andere mit Kind auf dem Schoß. Einige hören hochkonzentriert zu, andere beantworten nebenbei noch Mails oder suchen verzweifelt den Mute Button. 

 

Digitalisierung verändert nicht das Ziel dieser Reise, aber sie verändert sehr deutlich die Art, wie wir unterwegs sind.


Genau darüber habe ich im Rahmen eines Interviews gesprochen. Über Erfahrungen aus der Praxis, über Chancen und Grenzen und über die Frage, warum gute Weiterbildung auch digital immer noch vor allem eines braucht: Menschen, die mitdenken.

 


Digitalisierung beginnt nicht beim Tool

 

Wenn über digitale Weiterbildung gesprochen wird, fallen schnell Begriffe wie Zoom, Teams oder Lernplattformen. Gerne auch in Kombination mit der Frage, ob das WLAN diesmal hält. Dabei beginnt gute Weiterbildung ganz woanders.


Am Anfang steht immer die Frage: Was sollen Sie am Ende können? Nicht, welches Tool wir nutzen. Sondern welches Wissen wirklich sitzen soll.

 

In der beruflichen Weiterbildung arbeiten wir mit klaren Rahmenlehrplänen. Dort ist festgelegt, ob etwas nur bekannt sein muss oder ob Sie es anwenden, beurteilen und erklären können sollen. Und genau das entscheidet darüber, wie Inhalte aufgebaut werden.

 

Digitalisierung bedeutet hier nicht, Folien hübsch ins Internet zu stellen. Es bedeutet, Lernwege sinnvoll zu strukturieren. Erst Grundlagen, dann Vertiefung. Erst verstehen, dann rechnen. Wer schon einmal versucht hat, eine dynamische Investitionsrechnung ohne solide Basis zu erklären, weiß, wie schnell man dabei in fragende Gesichter blickt. Online übrigens genauso wie im Seminarraum.

 


Planung ist mehr als Vorbereitung bei der Weiterbildung

 

Ein Punkt, der gerne unterschätzt wird, ist der Planungsaufwand. Digitale Weiterbildung lebt von Struktur. Inhalte müssen vorbereitet, Materialien rechtzeitig hochgeladen und Aufgaben logisch aufeinander abgestimmt werden. Spontan noch schnell etwas umwerfen, wie früher im Präsenzkurs, funktioniert nur sehr eingeschränkt.

 

Und jetzt kommt der Teil, den man selten auf Hochglanzfolien liest: Diese Vorarbeit wird in der Regel nicht extra bezahlt. Lehrende investieren Zeit, viele Stunden, bevor der Kurs überhaupt startet.


Damit sich dieser Aufwand rechnet, müssen Inhalte mehrfach genutzt werden können. Digitalisierung zwingt also ganz automatisch zu einem klaren Kosten Nutzen Blick. Romantik ist schön, am Monatsende zählt aber auch die Rechnung.

 

Für Sie als Teilnehmende ist diese Struktur ein echter Vorteil. Sie bekommen Unterlagen frühzeitig, können Inhalte nacharbeiten und haben im besten Fall alles an einem Ort. Für Lehrende bedeutet das allerdings: Listen, To do Pläne und ein ziemlich gutes Ordnungssystem im Kopf.

 


Lernen im Erwachsenenalter braucht andere Rahmenbedingungen

 

Erwachsene lernen anders. Nicht schlechter, sondern unter anderen Bedingungen. Beruf, Familie, Alltag, alles läuft parallel. Die Lernkapazität ist oft kleiner, der Anspruch an Effizienz dafür umso größer.


Digitale Formate können hier entlasten. Sie sparen Zeit, Wege und lassen sich besser in den Alltag integrieren. Gleichzeitig verlangen sie aber auch mehr Eigenverantwortung. Niemand sitzt neben Ihnen und schaut, ob Sie gerade zuhören oder das Abendessen vorbereiten.

 

In der Praxis zeigt sich das deutlich. Es gibt Teilnehmende, die sind präsent, stellen Fragen und bringen Energie mit. Und es gibt die berühmten stillen Kacheln. Kamera aus, Mikro aus, Rückmeldung überschaubar. Für Lehrende ist das manchmal wie Unterrichten ins Leere, nur mit Namen auf dem Bildschirm.

 

Deshalb ist Interaktion kein nettes Extra, sondern zwingend notwendig. Rechnen, überlegen, gemeinsam auflösen. Lernen funktioniert nicht durch Zuhören allein. Das wissen wir alle. Und trotzdem sind wir manchmal froh, wenn wir einfach nur zuhören dürfen. Leider merkt sich das Gehirn davon erstaunlich wenig.

 


Präsenz oder digital: Das ist keine Glaubensfrage

 

Die Frage nach Präsenz oder digital wird gerne sehr grundsätzlich diskutiert. Die ehrliche Antwort lautet: Es kommt darauf an. Und zwar auf Sie.

 

Digitale Formate sind ideal, wenn Sie ortsunabhängig lernen möchten oder müssen. Sie sparen Fahrtzeit, lassen sich besser mit Schichtarbeit oder Familie vereinbaren und bieten oft Aufzeichnungen. Wer schon einmal krank war oder einen Termin hatte, weiß, wie wertvoll das ist.

 

Präsenzformate haben andere Stärken. Gespräche in den Pausen, spontane Fragen, ein kurzer Austausch am Rand. Diese Momente lassen sich digital nur schwer ersetzen.

 

Blended Learning versucht, beides zu verbinden. Und wenn es gut gemacht ist, funktioniert das sehr gut. Entscheidend ist nicht das Format, sondern wie konsequent es genutzt wird.

 


Die Rolle der Lehrenden verändert sich

 

Digitalisierung verändert die Rolle der Lehrenden. Der klassische Frontalvortrag funktioniert online nur bedingt. Wer drei Stunden redet und am Ende fragt, ob es Fragen gibt, wird selten überrascht.

 

Gefragt ist heute Lernbegleitung. Struktur geben, Inhalte erklären, Rückfragen zulassen und ehrlich sein, wenn etwas nachgeschlagen werden muss. Das erfordert Fachwissen, Technikverständnis und ein gutes Gespür für Menschen.

 

Gleichzeitig bleibt vieles gleich. Gruppendynamiken, Konflikte oder Unsicherheiten gab es schon immer. Digitalisierung ergänzt diese Anforderungen, sie ersetzt sie nicht. Und Verlässlichkeit bleibt der wichtigste Faktor. Wer sagt, dass er etwas klärt, sollte das auch tun. Online wie offline.

 


Mehr Verantwortung auch auf Seiten der Lernenden

 

Digitale Weiterbildung funktioniert nur, wenn Sie aktiv mitarbeiten. Das klingt banal, ist aber entscheidend. Fragen stellen, Feedback geben, Probleme ansprechen. Viele Formate bieten diese Möglichkeiten, sie werden nur nicht immer genutzt.

 

Gerade online ist Sichtbarkeit wichtig. Kamera an, wenn es geht. Rückfragen stellen, wenn etwas unklar ist. Und auch ehrlich sagen, wenn gerade die Kapazität fehlt. Niemand erwartet Perfektion, aber Kommunikation hilft allen.

 


KI als Werkzeug, nicht als Ersatz

 

Künstliche Intelligenz ist mittlerweile auch in der Weiterbildung angekommen. Sie kann unterstützen, Zusammenfassungen liefern oder Aufgaben vorschlagen. Und ja, sie entschuldigt sich auch sehr höflich, wenn sie sich verrechnet hat.

 

Aber sie ersetzt kein Verständnis. Wer sich die Lernarbeit komplett abnehmen lässt, merkt spätestens in der Prüfung, dass das keine gute Idee war. KI ist ein Werkzeug, kein Denk-Ersatz. Und gerade in komplexen Themen braucht es fachliche Kontrolle und menschliche Einordnung.

 

Was KI nicht kann, sind Beziehung. Austausch, Rückfragen oder gemeinsames Denken. Und genau darin liegt auch künftig der Wert guter Weiterbildung.

 


Chancen und Grenzen der Digitalisierung

 

Die größte Chance der Digitalisierung ist ihre Flexibilität. Lernen wird zugänglicher, ortsunabhängig und besser mit dem Alltag vereinbar. Inhalte können wiederholt und individuell vertieft werden.

 

Die größten Grenzen liegen nicht in der Technik, sondern im Menschen. In fehlender Zeit, fehlender Motivation oder schlicht falschem Timing. Das war früher so und ist heute nicht anders. Digitalisierung macht das nur sichtbarer.

 


Quintessenz

 

Digitalisierung ist kein Selbstzweck. Sie ist ein Transformationsprozess, der Strukturen, Rollen und Verantwortung verändert. Gute berufliche Weiterbildung entsteht nicht durch Plattformen, sondern durch klare Ziele, gute Planung und echtes Interesse am Lernprozess.

 

Für Sie als Teilnehmende bedeutet das mehr Freiheit, aber auch mehr Verantwortung. 


Für Lehrende bedeutet es mehr Vorbereitung, mehr Struktur und eine stärkere Rolle als Begleiter.

 

Wenn beide Seiten bereit sind, diesen Weg bewusst zu gehen, kann digitale Weiterbildung nicht nur funktionieren. 


Sie kann richtig gut sein. Und ja, manchmal sogar Spaß machen 😍



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