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Holding statt Hype

Autorenbild: Eva Heinz-Zentgraf
Eva Heinz-Zentgraf
8. Okt.
4 Min. Lesezeit
Jahressteuergesetz 2024 - Neuigkeiten

Da sitzt man im Seminar, scrollt abends noch kurz durch Social Media und plötzlich klingt alles ganz einfach: „Mit Holding fast keine Steuern mehr zahlen“, „Endlich legal Steuern vermeiden“, „Jeder Unternehmer braucht sofort eine Holding“.

 

Genau diese Aussagen begegnen mir in letzter Zeit immer häufiger. Viele Teilnehmer sprechen mich darauf an und fragen völlig zurecht: „Brauche ich das jetzt auch?“


Die ehrliche Antwort lautet: Es kommt darauf an. Und zwar auf deutlich mehr Faktoren als manche Steuercoaches gerne erzählen.

 

Denn eine Holding ist kein magischer Steuertrick.


Sie ist ein komplexes Unternehmensmodell mit Chancen, aber eben auch mit Aufwand, Kosten und Risiken.


Gerade bei Existenzgründungen wird die Holding inzwischen oft fast reflexartig empfohlen. Dabei ist sie in vielen Fällen zu Beginn gar nicht die beste Lösung.

 

Natürlich kann eine Holding steuerlich sinnvoll sein. Vor allem dann, wenn bereits bestehende Unternehmen erweitert werden sollen, Beteiligungen aufgebaut werden oder Vermögen langfristig im Unternehmen bleiben soll.


Aber eine Holding nur deshalb zu gründen, weil irgendwo von „95 Prozent steuerfrei“ gesprochen wird, greift viel zu kurz.

 

Deshalb lohnt sich ein genauer Blick darauf, wann eine Holding wirklich sinnvoll ist und wann sie eher unnötige Komplexität schafft.

 


Was eine Holding überhaupt ist

 

Der Begriff Holding klingt oft nach Großkonzern und internationalen Unternehmensstrukturen. Tatsächlich steckt dahinter zunächst etwas ganz Einfaches: Eine Gesellschaft hält Beteiligungen an anderen Gesellschaften.

 

Die Holding ist also die Muttergesellschaft. Darunter befinden sich eine oder mehrere Tochtergesellschaften.


Wichtig ist dabei: Eine Holding ist keine eigene Rechtsform. Häufig wird sie als GmbH aufgebaut, rechtlich handelt es sich aber um eine Struktur.

 

Bekannte Beispiele sind große Unternehmensgruppen wie Alphabet Inc. oder Porsche AG. Dort macht eine Holdingstruktur organisatorisch und wirtschaftlich durchaus Sinn.

 

Im Mittelstand kann das ebenfalls sinnvoll sein. Allerdings eben nicht automatisch!

 


Warum Steuercoaches das Thema so gerne vermarkten

 

Der Begriff „Steuercoach“ ist nicht geschützt. Genau das sollte man bei solchen Aussagen immer im Hinterkopf behalten.


Natürlich gibt es auch seriöse Berater und Coaches. Problematisch wird es dort, wo komplexe steuerliche Gestaltungen extrem vereinfacht dargestellt werden.

 

Oft werden zeitversetzte Steuereffekte als riesige Steuerersparnis verkauft. Dabei wird übersehen: Viele Modelle verschieben Steuern lediglich in die Zukunft. Das kann sinnvoll sein. Es ist aber etwas völlig anderes als „gar keine Steuern zahlen“.

 

Besonders häufig höre ich Aussagen wie:

„Mit Holding zahlen Sie nur 1,5 Prozent Steuern.“

 

Das klingt beeindruckend. Es ist aber nur ein kleiner Ausschnitt der Wahrheit.

 

Denn die berühmten 95 Prozent steuerfreien Gewinnausschüttungen gelten nur unter bestimmten Voraussetzungen. Außerdem bleibt das Geld zunächst im Unternehmensverbund. Sobald privat entnommen wird, greifen erneut steuerliche Belastungen.

 

Genau diese Zusammenhänge werden in Social Media Videos oft nicht erklärt.

 


Wann eine Holding tatsächlich sinnvoll sein kann

 

Eine Holding kann ein starkes Instrument sein. Vor allem dann, wenn bereits eine gewisse Unternehmensstruktur vorhanden ist.

 

Typische sinnvolle Fälle sind:

 

Mehrere bestehende Unternehmen

 

Wer mehrere GmbHs besitzt oder verschiedene Geschäftsbereiche voneinander trennen möchte, kann von einer Holding profitieren.

 

Das betrifft beispielsweise:

  • unterschiedliche Geschäftsmodelle

  • verschiedene Standorte

  • Beteiligungen an weiteren Unternehmen

  • Trennung von Risiko und Vermögen

 

Gerade die Haftungstrennung ist hier ein wichtiger Punkt. Risiken bleiben eher in der jeweiligen Tochtergesellschaft.

 

Langfristiger Vermögensaufbau

 

Interessant wird die Holding oft dann, wenn Gewinne nicht privat verbraucht, sondern weiter investiert werden sollen.

Denn Gewinne können innerhalb der Struktur günstiger für neue Investitionen genutzt werden. Das kann etwa für Immobilien, Beteiligungen oder den Ausbau weiterer Geschäftsbereiche attraktiv sein.

 

Unternehmensnachfolge und Strukturierung

 

Auch bei Unternehmensnachfolgen oder komplexeren Unternehmensgruppen kann eine Holding helfen, Strukturen klarer aufzubauen. Hier geht es häufig weniger um kurzfristige Steuerersparnis und mehr um strategische Organisation.

 


Warum ich bei Existenzgründungen oft kritisch bin

 

Gerade in der Existenzgründung beobachte ich inzwischen einen regelrechten Holding Trend. Und genau hier sehe ich viele Probleme.

 

Denn am Anfang eines Unternehmens stehen oft ganz andere Fragen im Vordergrund:

  • Gibt es stabile Umsätze?

  • Ist das Geschäftsmodell tragfähig?

  • Wie entwickelt sich die Liquidität?

  • Welche Investitionen stehen an?

 

Eine Holding löst diese Fragen nicht.

 

Stattdessen entstehen zusätzlich:

  • höhere Gründungskosten

  • mehr Buchhaltung

  • zusätzliche Jahresabschlüsse

  • mehr Verwaltungsaufwand

  • komplexere steuerliche Betreuung

 

Und genau dieser Punkt wird häufig unterschätzt.

Wer gerade erst gründet, braucht oft zunächst einfache und stabile Strukturen. Eine zu frühe Holding kann hier unnötig kompliziert werden.

 

Natürlich gibt es Ausnahmen. Wenn von Anfang an Beteiligungen, Investoren oder mehrere Gesellschaften geplant sind, kann eine Holding sinnvoll sein. Das ist aber nicht der Regelfall jeder Existenzgründung.


 

Die berühmten 95 Prozent steuerfrei: Was wirklich dahinter steckt

 

Ein besonders beliebtes Verkaufsargument betrifft die steuerfreie Gewinnausschüttung innerhalb der Holdingstruktur.

 

Tatsächlich gilt grundsätzlich: Gewinnausschüttungen einer Tochtergesellschaft an die Holding sind zu 95 Prozent steuerfrei. Die verbleibenden 5 Prozent gelten pauschal als nicht abzugsfähige Betriebsausgaben und werden besteuert.


Dadurch ergibt sich häufig eine Steuerbelastung von ungefähr 1,5 Prozent.

 

Das ist korrekt. Aber eben nur innerhalb der Struktur.


 Sobald Gewinne privat entnommen werden, entstehen erneut steuerliche Belastungen.

 

Deshalb ist die entscheidende Frage nicht nur:

„Wie niedrig ist die Steuer innerhalb der Holding?“

 

Sondern vielmehr:

„Was möchte ich langfristig mit den Gewinnen machen?“

 

Wer Gewinne dauerhaft reinvestieren möchte, kann Vorteile haben. Wer hingegen regelmäßig privat entnehmen muss, sollte sehr genau rechnen.


 

Holding bedeutet auch Verantwortung

 

Eine Holding ist kein Selbstläufer.


Mit jeder zusätzlichen Gesellschaft steigen Organisation, Dokumentationspflichten und Abstimmungsbedarf.

 

Dazu gehören beispielsweise:

  • Gesellschafterbeschlüsse

  • Verträge zwischen Gesellschaften

  • laufende steuerliche Prüfung

  • getrennte Buchführungen

  • Jahresabschlüsse für jede Gesellschaft

 

Das kostet Zeit, Geld und Nerven.

 

Deshalb sollte eine Holding niemals nur aus einem Social Media Impuls heraus gegründet werden.


Eine gute Gestaltung entsteht nicht durch Schlagworte, sondern durch eine ehrliche Analyse der individuellen Situation.


 

Nicht jede steuerliche Gestaltung ist automatisch sinnvoll

 

Steuern sparen ist legitim. Natürlich darf und soll man legale Gestaltungsmöglichkeiten nutzen.


Aber eine gute steuerliche Gestaltung muss immer zum Unternehmen passen.


Wenn die Struktur komplizierter wird als das eigentliche Geschäftsmodell, sollte man kritisch hinschauen.

 

Genau deshalb ist eine Holding kein Standardmodell für jeden Unternehmer.

Sie kann hervorragend funktionieren. Sie kann aber auch unnötige Komplexität schaffen.

 

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht:

„Wie spare ich möglichst schnell Steuern?“

 

Sondern:

„Welche Struktur unterstützt mein Unternehmen langfristig sinnvoll?“

 


Quintessenz

 

Eine Holding kann ein starkes Instrument für Wachstum, Vermögensaufbau und Strukturierung sein. Besonders bei bestehenden Unternehmen oder mehreren Gesellschaften ergeben sich häufig echte Vorteile.

 

Für viele Existenzgründungen sehe ich allerdings eine vorschnelle Holdingstruktur kritisch. Denn zusätzliche Gesellschaften bedeuten immer auch mehr Aufwand, höhere Kosten und komplexere steuerliche Themen.

 

Lassen Sie sich deshalb nicht von vereinfachten Aussagen oder schnellen Steuerparolen leiten. Eine gute Unternehmensstruktur entsteht nicht durch Trends, sondern durch saubere Planung und eine ehrliche Betrachtung der eigenen Ziele.

 

Die beste steuerliche Gestaltung ist am Ende nicht die spektakulärste, sondern die, die langfristig wirklich zu Ihrem Unternehmen passt.





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